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| Schmetterling und Taucherglocke | 112min | |
| Drama, Biografie | Frankreich , USA | Prokino | 2008 | ||
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Andy-Samberg-Pusher
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Schmetterling und Taucherglocke
Besonders die erste Viertelstunde von Le Scaphandre et le Papillon ist von einer unglaublich eindringlichen und bisher in der Geschichte des Filmes unerreichten Intensität, wenn man das Geschehen aus den Augen von Bauby wahrnimmt. Der Zuschauer sieht und hört exakt das, was Bauby sieht und hört, einschließlich unscharfen Bildern, Farbpixeln oder etwaiger akustischer Störungen. Man ist weniger Zuschauer als vielmehr selbst Bauby und das ist in der Tat beängstigend und verstörend. Was außerhalb des Fokus ist, nimmt man nicht wahr und selbst das was sich innerhalb des Fokus befindet, zumeist nur verschwommen. Höhepunkt dieses Gefühls ist der Moment, in welchem Bauby sein rechtes, nicht mehr durchblutetes Auge (mit welchem er jedoch in jenem Augenblick noch zu sehen im Stande ist) von einem Chirurgen zugenäht wird und sich langsam die Lieder neigen und von einem Faden verschlossen werden – hier ist Gänsehaut garantiert! Zudem markiert diese Szene den ersten Kamerawechsel von der Ego-Perspektive Baubys in die des Zuschauers, jetzt erst erhält man einen Blick auf Matthieu Almaric, der insgesamt eine grandiose schauspielerische Leistung abliefert und wahrscheinlich nicht zu Unrecht im nächsten Bond-Abenteuer den Bösewicht mimen darf. Schwer vorstellbar, dass ursprünglich Schnabel-Freund Johnny Depp in die Rolle Baubys schlüpfen sollte, dann aber durch Pirates of the Carribean davon abgehalten wurde. Almarics Darstellung ist so intensiv, sowohl in den Szenen im Berck-sur-Mer, als auch in seinen Phantasieszenen und Rückblenden, dass ihm, wie auch den anderen Darstellern und Darstellerinnen zuzuschauen ein wahres Vergnügen ist. Dabei ist alleine Max von Sydows Schauspielkunst, wenn er als Baubys Vater Papinou seinen Sohn im Krankenhaus anruft, allemal das Eintrittsgeld wert.
Bauby ist in seinem Körper gefangen wie ein Taucher am Meeresgrund in einer Taucherglocke (scaphandre). Dieses Bild wird man im Verlaufe von Le Scaphandre et le Papillon mehrmals auf der Leinwand sehen. Doch Bauby stellt fest, dass nicht nur sein linkes Auge ungelähmt geblieben ist, sondern auch seine Phantasie und sein Gedächtnis. Fortan beginnt er von seinem linken Auge als Schmetterling (papillon) zu sprechen, da er mit diesem aus seinem Gefängnis ausbrechen und am Leben teilnehmen kann. Jean-Do beginnt sein Leben aus einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten und durchschreitet dadurch eine Selbstfindung seines eigenen Charakters, lässt seine Seele über seinen Körper triumphieren. Den ursprünglich für eine moderne und weibliche Version von Dumas’ Der Graf von Monte Christo ausgearbeitete Vertrag mit dem Verlag wird nun von Jean-Do als Basis seiner Autobiographie wahrgenommen, als Forum des Ausdrucks seiner Gefühle, Phantasien und Gedanken. Selbst in seiner Krankheit bewahrt sich Bauby (s)einen Sinn für Humor und ein Gespür für Ironie, er kann über sich selber lachen, als zwei Techniker einen Witz darüber reißen, dass ihm ein Telefon mit Lautsprecher ins Zimmer gelegt wird und amüsiert sich selbst darüber, als ihm seine Physiotherapeutin eine Zungenübung zur Wiedererlernung des Schluckreflexes vormacht. Zu einem Zeitpunkt gelingt es Jean-Do sogar seinem Körper mehr Leben einzuhauchen, er kann brummen und den Kopf besser bewegen, beginnt Hoffnung zu schöpfen und der Welt mit vermehrten positiven Gedanken zu begegnen. Auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben sollte. Neben die tollen Darstellungen von Amalric und von Sydow reihen sich auch die ausnahmslos attraktiven Schauspielerinnen mit ihren Leistungen ein. Neben einer fabelhaft gealterten und frisch aufspielenden Emmanuelle Seigner wissen auch Anne Consigny und Marie-Josée Croze (siehe oberes Bild) zu überzeugen. Besonders die Szenen mit Croze sind äußerst schön geraten, sodass man sich glatt selbst in Henriette verlieben möchte. In Nebenrollen dürfen zudem französische Stars wie Emma de Caunes und einige César-Gewinner wie Patrick Chesnais, Niels Arestrup („The Bourne Ultimatum“), Marina Hands und Isaach De Bankolé („Miami Vice“) glänzen. Überboten werden die Darsteller und der Soundtrack lediglich noch vom Kameraspiel Janusz Kaminskis. Der Stamm-Kameramann von Steven Spielberg wurde scheinbar von Spielberg-Produzentin Kathleen Kennedy ins Boot geholt, jedenfalls zaubert er atemberaubende Bilder und Kamerafahrten zu Stande, die kongenial von Juliette Welfings Schnitt abgerundet werden. Die Auszeichnung der Academy für die beste Kameraarbeit dürfte dieses Jahr bei der Konkurrenz Kaminskis mit Roger Deakins und Seamus McGarvey nicht sonderlich leicht ausfallen und allemal interessant sein. Das Zusammenspiel zwischen den Bildern und der Musik funktioniert dabei perfekt und besonders das Theme von Paul Cantelon – welches an Yann Tiersen erinnert – erzeugt ein wunderbar melancholisches Gefühl bei der Betrachtung des Gezeigten. Ein Jahr und zwei Monate hatte Jean-Dominique Bauby im Zimmer 119 des Berck Maritime Hospital in Berck-sur-Mer zugebracht, demselben Hospital in dem Julian Schnabel auch die Verfilmung von Baubys Le Scaphandre et le Papillon inszenieren würde. Schnabels Film handelt von Liebe und Leben, sowie der Liebe zum Leben. Der Liebe von Vätern zu Söhnen und umgekehrt, der Liebe eines Mannes zu seiner Familie und gleichzeitig zu seiner Geliebten, die es nicht fertig bringt ihn im Krankenhaus zu besuchen und später anrufen wird, während die Mutter von Jean-Dos Kindern, Céline, anwesend ist. Es geht um Hoffnung und den Glauben an sich selbst, an sein eigenes Leben, behandelt die Kraft von Gedanken und die Stärke der menschlichen Seele. Selten hat ein Film sein Publikum so sehr an der Handlung teilhaben lassen, wie in der ersten Viertelstunde und man merkt bereits während dem Sehen, dass man Zeuge von etwas besonderen und einzigartigem geworden ist. Schnabel gelingt es sein persönliches Meisterwerk abzuliefern, mit einem Film dessen Darsteller, dessen Bilder und dessen Musik es schaffen nicht nur das einzufangen was ein Mann einmal gewesen war, sondern was er auch ist, eine großartige Geschichte über einen Schmetterling, der einer Taucherglocke entfliehen kann und zurecht mit all seinen Preisen und Nominierungen bedacht. Le Scaphandre et le Papillon ist Pflicht für das Filmjahr 2007 und jeden Cineasten. 10/10 |
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#2 (permalink) |
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klein aba oho!!!
Registriert seit: 16.04.05
Ort: Frankfurt
Alter: 24
Beiträge: 325
Über mich Meine Sammlung Filmkommentare: 20 |
AW: Schmetterling und Taucherglocke
Habe den Film nun eben auch einmal gesehen. Wahnisinnige Leistung und kaum in Worte zu fassen.... Mein Vorgänger hat dies ja auch bereits genug mit Spoilern deluxe getan.
10/10 ![]() |
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#4 (permalink) |
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Mouth of Ghosts
Registriert seit: 03.07.07
Beiträge: 443
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AW: Schmetterling und Taucherglocke
Kann mich nur anschließen.
10/10 Ein Meisterwerk. Ohne Frage. Für mich zudem der beste Film aus 2007 (soweit ich das von den mir gesehen beurteilen kann). BTW gut, dass ich nicht vorher in den Thread hier geschaut hab.
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#5 (permalink) |
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Registrierter Benutzer
Registriert seit: 24.09.04
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 127
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AW: Schmetterling und Taucherglocke
fand den Film auch sehr gut, aber mir hat etwas gefehlt....ich fand z.B. den ganzen Plot, was vor dem Unfall war (Redakteur der Zeitschrift) unpassend für den Film, hätte mir mehr Tiefe von dem Menschen vor dem Unfall erwartet.
Aber die Szenen im/um das Krankenhaus haben mir sehr gut gefallen. auf jeden Fall der beste Film den ich bisher in diesem Jahr gesehen habe. Vor allem die sehr intensiven ersten 30 Minuten im Film. 10 Punkte für den Film minus 2 für die austauschbare/belanglose "Vorgeschichte" ergeben bei mir (sehr gute) 8/10 Punkte. |
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#6 (permalink) |
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klein aba oho!!!
Registriert seit: 16.04.05
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Über mich Meine Sammlung Filmkommentare: 20 |
AW: Schmetterling und Taucherglocke
@rompa: Ich fand die Vorgeschichte eigentlich gut miteingebracht. Man hat erfahren, dass der Hauptcharakter vorher ein sehr erfolgreicher und bei Frauen beliebter Mann gewesen ist... Ich fands wichtig das zu erfahren, da man so umso mehr sehen konnte, dass dies jedem geschehen kann und dass er ein Mann in den besten und auch aktivsten Jahren war. Die Länge dieser Einspielungen kann cih auch nicht bemängeln... Das Nötigste für dieses Hintergrundwissen wurde in Kürze erwähnt und dann wurde das Augenmerk wieder auf die aktuelle Handlung gelegt.
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#7 (permalink) |
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klein aba oho!!!
Registriert seit: 16.04.05
Ort: Frankfurt
Alter: 24
Beiträge: 325
Über mich Meine Sammlung Filmkommentare: 20 |
AW: Schmetterling und Taucherglocke
Das hab ich mir gestern nach dem Schauen auch gedacht.... Im ersten Post werden wirklich schon sehr viele Einzelheiten der Handlung erwähnt...
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#8 (permalink) |
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Querdenker
Registriert seit: 21.12.05
Alter: 32
Beiträge: 1.836
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AW: Schmetterling und Taucherglocke
Ich könnte mich gerade wieder aufregen. Natürlich läuft der Film in keinem einzigen Kino in der Umgebung. Kirschblüten übrigens ebensowenig, aber das gehört hier nicht her. Wenn sich die Kinobranche über mangelnde Besucherzahlen beklagt, dann sollten sie vielleicht mal ihr Programm überarbeiten und statt der xten dämlichen und flachen Liebeskomödie lieber Filme mit Niveau und Aussage anbieten.
![]() Btw. Wieso haben die interessanten und (hoffentlich) guten Filme immer so dämliche Titel unter denen sich keiner was vorstellen kann? "Schmetterling und Taucherglocke" oder auch "Kirschblüten". Das hört sich irgendwie total albern und kitschig an. Kling alles stark nach Frauenfilm ... also nach romantischer Komödie ![]() Gruß pippovic |
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#10 (permalink) | |
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Jack's smirking revenge
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AW: Schmetterling und Taucherglocke
Zitat:
Zum Film: Ich bin ziemlich begeistert! Was für eine Wohltat nach "Jumper" den Abend davor.. ![]() Tolles Ensemble, perfekte Regie und Bilder. Kaminski wird oft gehyped und die Lobeshymnen um ihn sind imho auch nicht immer gerechtfertigt, aber hier hat er wirklich etwas großes abgeliefert. Wäre ich nicht gleichermaßen so angetan von "No Country for old Men" könnte ich mich fast über die Academy beschweren ![]() Eine bewundernswerte Geschichte um Jean-Do Bauby, und ebenso wunderbar von Amalric verkörpert. "Schmetterling und Taucherglocke" ist der Film geworden, den ich mir von "Das Meer in mir" erhofft hatte. Auch wenn der Vergleich vielleicht etwas hinken mag. Sehr, sehr gut. 9/10 |
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#11 (permalink) | |
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klein aba oho!!!
Registriert seit: 16.04.05
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Über mich Meine Sammlung Filmkommentare: 20 |
AW: Schmetterling und Taucherglocke
Zitat:
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#13 (permalink) |
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Querdenker
Registriert seit: 21.12.05
Alter: 32
Beiträge: 1.836
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AW: Schmetterling und Taucherglocke
Ha! Nachdem ich vor einigen Wochen schon Kirschblüten sehen konnte, werde ich in knapp zwei Stunden nun endlich auch Schmetterling und Taucherglocke zu Gesicht bekommen. Langsam macht sich unser Provinzkino wirklich. Haben sogar jetzt einmal im Monat einen "besonderen" Film. Das kann alles mögliche sein: entweder Film im O-Ton, wie zuletzt bei Juno oder einMusikfilm, Doku ...
Gruß pippovic |
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#14 (permalink) | |
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Andy-Samberg-Pusher
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AW: Schmetterling und Taucherglocke
Zitat:
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#18 (permalink) |
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Querdenker
Registriert seit: 21.12.05
Alter: 32
Beiträge: 1.836
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AW: Schmetterling und Taucherglocke
Habe den Film inzwischen auch gesehen, bin aber bei der Bewertung noch etwas unentschlossen. Auf jeden Fall ist es ein empfehlenswerter Film, der den Zuschauer glücklicherweise weit weniger runterzieht als ich gedacht hatte. Es muss aber aber noch eine zweite Sichtung folgen, bevor ich eine Note vergeben kann.
Gruß pippovic |
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